Was ist das Losverfahren Medizin?

Im komplexen Bewerbungsverfahren für das Medizinstudium bleiben jedes Semester einige wenige Medizin Studienplätze unbesetzt. Diese Plätze werden von den Hochschulen einzeln per Los vergeben. Wir zeigen dir im folgenden Artikel wie du am Losverfahren teilnehmen kannst und mit ein bisschen Glück einen Studienplatz für Humanmedizin in Deutschland bekommen kannst.

Beim Losverfahren wirst du durch Zufall aus alles Bewerbern im Losverfahren gezogen, es zählen also weder dein Abitursschnitt noch deine anderen Qualifikationen.

Wie kann ich am Losverfahren für das Medizinstudium teilnehmen?

Im Vergleich zu einer Bewerbung bei hochschulstart.de ist die Teilnahme am Losverfahren überraschend einfach. Oft genügt es, eine Postkarte oder einen Brief mit Name und Adresse zu verschicken oder die persönlichen Daten in eine Online-Maske der jeweiligen Hochschule einzugeben.

Beispieltext für die Bewerbung für das Losverfahren

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit beantrage ich die Teilnahme am Losverfahren für den Studiengang Humanmedizin mit der Abschlussart Staatsexamen für das Wintersemester/Sommersemester 20XX.

Herzlichen Dank für die Bearbeitung.

Mit freundlichen Grüßen
Max Mustermann


Kontaktdaten:
Max Mustermann
Musterstraße 1, 12345 Musterhausen
Telefon: 000 – 000 000

Die meisten Universitäten bieten auch Online-Formulare an, die die Anmeldung noch einfacher machen. Bitte erkundigen Sie sich bei der jeweiligen Universität, da einige bereits die postalische Anmeldung vollständig abgeschafft haben und nur noch Online-Formulare verwenden.

Welche Universitäten bieten ein Losverfahren für das Medizinstudium an?

Hier findest du eine Auflistung der Universitäten, die Reststudienplätze im Losverfahren vergeben

Klicke auf die jeweilige Universität um auf die Website für das Losverfahren Humanmedizin der jeweiligen Universität zu gelangen.

Aachen
Berlin
Bochum
Bonn
Dresden
Duisburg-Essen
Düsseldorf
Erlangen-Nürnberg
Frankfurt
Freiburg
Gießen
Göttingen
Greifswald
Halle-Wittenberg
Hamburg
Hannover
Heidelberg
Mannheim
Jena
Kiel
Köln
Leipzig
Magdeburg
Mainz
Marburg
München
Münster
Regensburg
Rostock
Saarbrücken
Tübingen
Ulm
Würzburg
Lübeck
Oldenburg

Medi-Match Chancen Beurteilung: 

Die Chancen auf einen Studienplatz in einer der medizinischen Fakultäten durch Auslosung sind äußerst gering. Einige Universitäten weisen auf ihren Websites sogar ausdrücklich darauf hin, dass sie in den letzten Jahren kaum Plätze verlost haben.

Allerdings kannst du jedes Jahr an der Verlosung teilnehmen und es entstehen dir bei einer Bewerbung keinerlei Nachteile. Also probiere einfach dein Glück und lass dich nicht unterkriegen, wenn es nicht auf Anhieb klappt, es gibt noch weitere alternative Wege ins Medizinstudium

Erfahrungsbericht Losverfahren


Mit Spannung habe ich damals gleich die lang ersehnte E-Mail von Hochschulstart mit den Worten „Sehr geehrte Frau Schmidt, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, …“  geöffnet, während ich vor Vorfreude beinahe in Tränen ausgebrochen bin. Letzteres tue ich wenige Sekunden später auch – allerdings leider nicht vor Glückseligkeit. Die Nachricht in meinem Posteingang verkündet mir die vorläufige Absage. Obwohl die Realistin in mir bereits damit gerechnet hat, traf mich das stärker als gedacht.

Erneut scheint der Traum vom Medizinstudium in weite Ferne gerückt und wieder einmal frage ich mich, warum ich mir dieses aussichtslose Prozedere überhaupt antue. Ebenso gut könnte ich einfach etwas anderes studieren, Journalismus zum Beispiel, oder Kunstgeschichte. Dann müsste ich mich auch nicht länger belächeln lassen, weil ich mir mit meiner Abiturnote von 2,1 ernsthaft Chancen auf einem Medizinstudienplatz ausmale. Schließlich bleibt der mitunter selbst Menschen mit einem Einser-Abi verwehrt. Doch Aufgeben ist keine Option.


Der Ablehnungsbescheid aus Innsbruck findet seinen Platz neben dem, der bereits Wochen zuvor von hochschulstart.de in mein Postfach flatterte. Um die Zeit bis zu meinem Pflegepraktikum zu überbrücken, bessere ich mein Konto mit einem Aushilfsjob auf. Währenddessen verschicke ich stapelweise Postkarten mit Bitte um Teilnahme am Losverfahren an alle deutschen medizinischen Fakultäten und google immer häufiger nach Studienmöglichkeiten im Ausland.

Bis zu 10.000€ Studiengebühren für ein Auslandsstudium ist unfassbar viel Geld, aber in Anbetracht meiner aussichtslosen Lage, mehreren demotivierenden Studienberatungen und der Hoffnung, nach Deutschland wechseln zu können, bewerbe ich mich fürs Sommersemester 2016 in Riga.

Kurz bevor ich all meine Bewerbungsunterlagen beisammen habe, geschieht das Unfassbare. Mindestens zwanzig Mal lese ich den fett gedruckten Satz im Dokument, das heute Morgen in meinem Postfach landete:


„Sehr geehrte Frau Schmidt,
wir freuen uns … Medizin (Staatsexamen), 1. Fachsemester … Losverfahren … Wintersemester 2015/16 …“.


Ein Anruf beim Studienkoordinator der RWTH Aachen bestätigt die unbegreiflichen Neuigkeiten und räumt meine Zweifel aus, es könnte sich bei der Mail entweder um eine Verwechslung oder einen bitterbösen Scherz handeln. Aber nichts dergleichen trifft zu. Nachdem sich diese Tatsache nun allmählich in meinem völlig verwirrten Hirn verankert hat, kann ich noch heute kaum in Worte fassen was ich fühlte, als ich wenige Tage später meine Immatrikulationsbescheinigung in den Händen hielt.


Jahrelang hatte ich es für nahezu unmöglich gehalten aber: Ich studiere jetzt Medizin und zwar im erfolgreichen Aachener Modellstudiengang, zusammen mit 281 Kommilitonen, von denen, neben mir, ganze sechs weitere einen Platz im Losverfahren erhalten haben. Ich selbst wurde als siebte und letzte gezogen, erfahre ich später.


Innerhalb von drei Tagen kündige ich meinen Aushilfsjob, sage die Pflegepraktika und eine unmittelbar anstehende Reise ab und kehre meinem bisherigen Leben erstmal den Rücken. Wo Aachen überhaupt liegt, muss ich erst einmal googeln. Dann verlasse ich meine Baden-Württembergische Heimat am Bodensee mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Meine neue Heimatstadt erreiche ich nach siebenstündiger Autofahrt mit dutzenden Taschen und meinem Papa im Gepäck. Und bin überrascht: Dank meinem naivem Halbwissen hatte ich mir Aachen als typische Ruhrpott-Stadt vorgestellt, aber es ist tatsächlich richtig schön!


Das Glück scheint noch immer auf meiner Seite zu sein: obwohl das Wintersemester bereits begonnen hat, finde ich auf Anhieb ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete, kann sofort einziehen und sitze eine Woche später in meiner ersten Vorlesung im Hörsaal des Universitätsklinikums.


Die definitiv heftigste Woche meines bisherigen Daseins hat mein Leben vom einen auf den anderen Tag um 180 Grad gewendet. Noch immer befürchte ich, jeden Moment aufzuwachen und festzustellen, dass das alles nur ein Traum war. Aber tatsächlich sitze ich hier am Schreibtisch in meinem WG-Zimmer unweit der Uniklinik und bin mir mit jeder Faser meines Körper bewusst, dass es ein unglaublich großes Privileg ist, direkt nach dem Abitur einen Medizinstudienplatz zu erhalten, auf den andere mit Voraussetzungen, wie ich sie mitbringe, annähernd ein Jahrzehnt warten müssen.


Plötzlich bin ich diejenige, die ihre Erfahrung teilen darf und dir dort vorm den Computerbildschirm ein bisschen Mut macht, weiter an deinem Traum festzuhalten. Vor noch nicht einmal einem Monat saß ich genau da und habe Erfahrungsberichte verschlungen – nur um hinterher noch deprimierter zu sein als zuvor.


Allzu viel kann ich dir vermutlich nicht mit auf den Weg geben, denn noch immer gibt es keine ultimative Lösung für all diejenigen, die ein Abitur jenseits des Eins-Komma-Bereichs gemacht haben. Was ich dir aber nun versichern kann ist: das Losverfahren an deutschen Universitäten existiert wirklich (wenn auch, nach meinem Wissensstand, zu diesem Wintersemester lediglich in Aachen). Und: auch wenn das Losverfahren nur eine verschwindend geringe Chance auf einen Medizinstudienplatz ist: Nutze sie!

Erfahrungsbericht Bewerberin für das Losverfahren im WiSe 2015/16